Wie die Finanzkennzahlen in Saldio ausgewertet werden
Liquiditätsgrade, Finanzierungsgrade, Umsatzrendite, EBITDA und EBIT – jede Kennzahl mit Formel, direkt aus dem Hauptbuch. Dazu acht Auswertungen.

Inhalt
Die meisten KMU sehen ihre Kennzahlen einmal im Jahr: wenn der Treuhänder den Abschluss bringt, irgendwann im Frühling, für ein Jahr, das längst vorbei ist. Wer unter dem Jahr wissen will, wie es um die Liquidität steht, exportiert eine Saldenliste nach Excel und rechnet selbst.
Das hat zwei Haken. Die Zahlen sind am Tag nach dem Export veraltet. Und die Formel steht in einer Zelle, die niemand mehr prüft — ob dort Umlaufvermögen oder nur flüssige Mittel durch kurzfristiges Fremdkapital geteilt werden, weiss nach einem halben Jahr keiner mehr.
Saldio rechnet die Kennzahlen bei jedem Öffnen aus dem Hauptbuch und schreibt die Formel daneben. Dieser Artikel zeigt, welche Kennzahlen es gibt, wie sie berechnet werden und welche Auswertungen dahinterstehen.
Das Hauptbuch als einzige Quelle
Alle Zahlen in diesem Artikel kommen aus einer Quelle: den gebuchten Vorgängen. Rechnungen, Lieferantenrechnungen, Zahlungen und Bankzeilen buchen automatisch ins Journal; was dort steht, erscheint in den Auswertungen. Was nicht gebucht ist, erscheint nirgends.
Das klingt selbstverständlich, hat aber eine praktische Folge: Es gibt keinen Export, keinen Stichtag und keine Aktualisierung. Eine Lieferantenrechnung, die heute gebucht wird, verändert die Kennzahlen sofort.
Die Übersicht der Buchhaltung
Die Seite Buchhaltung → Übersicht zeigt zwei Blöcke.
Operative Kennzahlen — Umsatz YTD, Kosten YTD und Gewinn YTD, jeweils mit der Veränderung gegenüber dem Vorjahr, dazu die Liquidität, aufgeteilt nach Banken und Kasse.
Klassische Finanzkennzahlen — acht Kennzahlen, jede mit ihrer Formel direkt unter dem Wert:
| Kennzahl | Formel |
|---|---|
| Liquiditätsgrad 1 | Flüssige Mittel / kurzfr. Fremdkapital × 100 |
| Liquiditätsgrad 2 | (Flüssige Mittel + Forderungen) / kurzfr. Fremdkapital × 100 |
| Liquiditätsgrad 3 | Umlaufvermögen / kurzfr. Fremdkapital × 100 |
| Eigenfinanzierungsgrad | Eigenkapital / Gesamtkapital × 100 |
| Fremdfinanzierungsgrad | Fremdkapital / Gesamtkapital × 100 |
| Selbstfinanzierungskraft | Gewinn + Abschreibungen |
| Umsatzrendite | Gewinn / Umsatz × 100 |
| Netto-Cash-Veränderung | Ist-Veränderung der flüssigen Mittel seit Jahresbeginn |

Ein Beispiel zum Nachrechnen
Ein Handwerksbetrieb hat per Ende September folgende Bilanz- und Erfolgszahlen:
| Position | CHF |
|---|---|
| Flüssige Mittel | 80’000 |
| Forderungen | 60’000 |
| Vorräte | 30’000 |
| Umlaufvermögen | 170’000 |
| Kurzfristiges Fremdkapital | 100’000 |
| Gesamtkapital | 400’000 |
| Eigenkapital | 160’000 |
| Umsatz | 900’000 |
| Gewinn | 45’000 |
| Abschreibungen | 25’000 |
Daraus ergibt sich:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Liquiditätsgrad 1 | 80 % |
| Liquiditätsgrad 2 | 140 % |
| Liquiditätsgrad 3 | 170 % |
| Eigenfinanzierungsgrad | 40 % |
| Fremdfinanzierungsgrad | 60 % |
| Selbstfinanzierungskraft | CHF 70’000 |
| Umsatzrendite | 5.0 % |
Gelesen wird das so: Die flüssigen Mittel allein decken 80 % der kurzfristigen Schulden. Rechnet man die Forderungen dazu, sind es 140 % — der Betrieb kann seine kurzfristigen Verpflichtungen bezahlen, sofern die Kunden zahlen. Genau deshalb hängt der Liquiditätsgrad 2 eng am Mahnwesen: Eine Forderung, die neunzig Tage überfällig ist, zählt hier voll mit, obwohl das Geld vielleicht nie kommt.
Die acht Auswertungen
Hinter den Kennzahlen stehen unter Buchhaltung → Auswertungen acht Berichte:
- Bilanz — Aktiven, Passiven und Eigenkapital auf einen Stichtag
- Erfolgsrechnung — Ertrag und Aufwand über einen Zeitraum, mit Aufwandsstruktur und Stufenrechnung
- Summen- & Saldenliste — Soll, Haben und Saldo je Konto
- Geldflussrechnung — Ein- und Auszahlungen nach operativer Tätigkeit, Investitions- und Finanzierungstätigkeit, mit Anfangs- und Endbestand von Kasse und Bank
- Kontoauszüge — alle Bewegungen eines Kontos mit laufendem Saldo
- Jahresvergleich — zwei Geschäftsjahre auf Kontoebene nebeneinander
- Journal (Export / Druck) — das vollständige Journal zum Weitergeben
- Jahresbericht — die vereinfachte Jahresübersicht
Bilanz und Erfolgsrechnung lassen sich in drei Detailtiefen anzeigen — Konto, Gruppe oder Klasse —, wahlweise mit Vorjahr anzeigen und mit oder ohne Konten ohne Saldo. Alle Berichte gehen als CSV oder PDF hinaus. Ist ein Vorjahr noch nicht abgeschlossen, weist die Bilanz dessen Ergebnis separat als Ergebnis Vorjahre (nicht abgeschlossen) aus.

Die Stufenrechnung: EBITDA und EBIT
Die Erfolgsrechnung zeigt unter Ertrag und Aufwand eine Stufenrechnung. Abgezogen werden der Reihe nach die Abschreibungen (Kontengruppe 68), das Finanzergebnis (69) und die direkten Steuern (89). Für das Beispiel oben:
| Stufe | CHF |
|---|---|
| Betriebsertrag | 900’000 |
| Aufwand vor Abschreibungen, Finanzergebnis und Steuern | − 812’000 |
| EBITDA | 88’000 |
| Abschreibungen (68) | − 25’000 |
| EBIT | 63’000 |
| Finanzergebnis (69) | − 3’000 |
| Direkte Steuern (89) | − 15’000 |
| Jahresergebnis | 45’000 |
Jede Zeile lässt sich nachrechnen. Die Stufen erscheinen allerdings nur, wenn der Mandant auf diesen Kontengruppen überhaupt bucht. Ein Einzelunternehmen ohne Abschreibungen und Finanzaufwand sähe sonst dreimal dieselbe Zahl.
Die Geldflussrechnung hat eine eigene Plausibilitätsprüfung: Stimmen ihre Summen nicht mit der Saldoveränderung der flüssigen Mittel überein, weist der Bericht darauf hin. Die Ursache ist meist eine fehlende oder falsche Geldfluss-Zuordnung an einem Konto im Kontenplan.
Was Saldio bewusst nicht tut
- Keine Bewertung der Kennzahlen. Saldio zeigt Wert und Formel, aber keine Ampel und keinen Branchenvergleich. Ob 140 % Liquiditätsgrad 2 gut sind, hängt vom Geschäft ab.
- Keine Prognose. Alle Kennzahlen beschreiben den gebuchten Stand. Für den Blick nach vorn gibt es die Budgetplanung.
- Keine Schattenbuchhaltung. Es gibt keine zweite Datenbasis für Auswertungen, in der man Zahlen von Hand nachträgt. Korrigiert wird im Journal.
- Keine Stichtagsbewertung von Fremdwährung. Offene Fremdwährungsposten stehen zum ursprünglichen Kurs in der Bilanz, bis sie bezahlt sind.
- Keine Stufen ohne Grundlage. EBITDA und EBIT erscheinen nur, wenn auf den entsprechenden Kontengruppen gebucht wird.
Fazit
Kennzahlen sind nur so gut wie die Buchhaltung dahinter und nur so glaubwürdig wie ihre Formel. Saldio löst beides gleich: Die Zahlen kommen direkt aus dem Hauptbuch, und die Formel steht daneben.
Damit wird aus der jährlichen Kennzahlenrunde mit dem Treuhänder ein Blick, den man jederzeit werfen kann. Für den schnellen Überblick über Einnahmen, Ausgaben und offene Rechnungen gibt es zusätzlich das Dashboard.
Vom Auftrag bis zum Saldo.

