Wie die Budgetplanung in Saldio funktioniert
Ein Jahresbetrag je Konto, der Ist-Wert kommt laufend aus der Buchhaltung. Warum das Budget ins Hauptbuch gehoert und nicht in eine Excel-Tabelle.

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Im Dezember sitzt jemand zwei Abende an einer Excel-Tabelle. Konten links, Zahlen rechts, unten eine Summe. Das Budget fürs kommende Jahr steht.
Im März schaut das erste Mal jemand hinein. Die Budgetspalte stimmt noch — die Ist-Spalte ist leer, weil niemand die Zahlen aus der Buchhaltung abgetippt hat. Im Juni ist die Datei zu, im Oktober findet sie niemand mehr.
Das Problem ist nicht die Tabelle. Das Problem ist, dass Plan und Ist in zwei getrennten Systemen liegen und jemand sie von Hand zusammenführen müsste. Genau diesen Schritt gibt es in Saldio nicht.
Warum ein Budget ins Hauptbuch gehört
In Saldio wird der Ist-Wert nie gespeichert. Er wird bei jeder Abfrage aus der Saldenbilanz des Geschäftsjahrs gerechnet.
Das klingt nach einem technischen Detail, ist aber der ganze Unterschied. Ein gespeicherter Ist-Wert wäre ab der ersten Nachbuchung falsch — und Nachbuchungen gibt es immer. Eine Korrektur im Februar, eine vergessene Spesenabrechnung, ein Storno. Jede davon würde eine abgelegte Zahl still veralten lassen, ohne dass jemand es merkt.
Weil der Vergleich stattdessen bei jedem Öffnen neu gerechnet wird, gibt es keinen Stichtag, keine Aktualisierung und keinen Abgleich. Wer heute eine Lieferantenrechnung verbucht, sieht sie eine Minute später im Budget. Das Budget ist damit keine Auswertung, die man startet, sondern ein Zustand, den man ansieht.
Ein Jahresbetrag je Konto — mehr nicht
Das Datenmodell ist bewusst schmal: eine Zeile hält Geschäftsjahr, Konto und einen Betrag. Pro Konto und Geschäftsjahr gibt es genau eine, das garantiert die Datenbank. Es gibt keine Kopftabelle, kein Szenario A und B, keinen Status “Entwurf” oder “genehmigt”.
Ein Betrag von null wird gar nicht erst gespeichert — die Zeile wird gelöscht. Nicht budgetiert heisst nicht budgetiert und nicht “budgetiert mit 0”.
Genauso bewusst ist, dass der Plan eine Auswahl ist und kein Abbild der Buchhaltung. Konten kommen einzeln über eine Combobox in den Plan, getrennt nach Ertrag und Aufwand. Wer nur die fünf Kostenblöcke im Griff behalten will, die wirklich schwanken — Personal, Miete, Marketing, Fahrzeuge, Fremdleistungen — nimmt fünf Konten auf und ist fertig.
Der praktische Vorteil ist der Zeitaufwand. Ein Budget in Saldio ist kein Formular mit zweihundert Zeilen, von denen hundertneunzig leer bleiben. Es ist eine kurze Liste, die in zwanzig Minuten steht und im nächsten Jahr in fünf.
Die Kehrseite gehört dazu: Ein Konto, das nicht im Plan steht, fehlt in der Abweichung — auch wenn dort Bewegungen laufen. Damit das nicht überrascht, zeigt die Combobox jedes wählbare Konto bereits mit seinem gebuchten Ist an. Man sieht also beim Aufnehmen, was dort schon liegt.

Die Ampel ist bewusst asymmetrisch
Jede Zeile trägt einen Status. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Fehler, dass Aufwand und Ertrag verschieden bewertet werden — es ist der wichtigste Entscheid an der ganzen Funktion.
| Kontoart | Nutzung | Status |
|---|---|---|
| Aufwand | unter 80 % | im Rahmen |
| Aufwand | 80 – 100 % | nahe Limit |
| Aufwand | über 100 % | überzogen |
| Ertrag | ab 100 % | im Rahmen |
| Ertrag | unter 100 %, Geschäftsjahr läuft | unterwegs |
| Ertrag | unter 100 %, Geschäftsjahr vorbei | Ziel verfehlt |
Beim Aufwand ist der Verbrauch das Thema: Achtzig Prozent im Oktober sind unauffällig, achtzig Prozent im April sind ein Gespräch wert. Deshalb die Vorwarnstufe.
Beim Ertrag zählt das Erreichen — und dort wäre dieselbe Logik unbrauchbar. Ein Umsatzziel ist am 1. Januar zu null Prozent erfüllt. Stünde jedes Ertragskonto ab dem Neujahrstag auf Rot, wäre die Farbe nach zwei Wochen bedeutungslos, und mit ihr die Farbe beim Aufwand gleich mit. Ein nicht erreichtes Ertragsziel gilt darum erst dann als Verfehlung, wenn das Geschäftsjahr vorbei ist. Solange es läuft, heisst der Status “unterwegs”.
Das ist die eigentliche Leistung der Ampel: Rot kommt selten genug vor, dass es jemand liest.
Visuell trägt den gleichen Gedanken der Fortschrittsbalken je Zeile, mit einer Markierung bei achtzig Prozent. Ein Diagramm gibt es bewusst nicht — die Balken sagen dasselbe, ohne dass man erst eine Legende entschlüsseln muss.

Abgeschlossene Jahre bleiben auswertbar
Ein Budget ist erst dann etwas wert, wenn man nach dem Jahresende nachschauen kann, wie gut man lag. Genau dort scheitern Budgetfunktionen gerne — und zwar an einem Detail, das man erst beim zweiten Geschäftsjahr bemerkt.
Beim Jahresabschluss werden alle Erfolgskonten über eine Abschlussbuchung auf null gestellt. Diese Buchung liegt auf dem letzten Tag des Geschäftsjahrs. Zählte man sie mit, stünde jedes Konto eines abgeschlossenen Jahres im Budgetvergleich auf einem Ist von null, und der Bericht wäre für genau die Jahre wertlos, die man vergleichen will. Saldio schliesst Abschlussbuchungen aus der Ist-Berechnung aus.
Für die Planseite gilt das Gegenteil: Sobald das Geschäftsjahr abgeschlossen ist, sind die Budgetzeilen schreibgeschützt. Wer nachträglich das Budget an das Ist anpassen will, bekommt eine Fehlermeldung statt einer stillen Änderung.
Der Bericht für Vorstand, Bank und Treuhänder
Der Budgetvergleich lässt sich als PDF ausgeben, in Deutsch, Englisch, Französisch oder Italienisch. Aufgebaut ist er in zwei Sektionen — Ertrag und Aufwand — mit den Spalten Konto, Bezeichnung, Budget, Ist, Nutzung in Prozent, Restbetrag und Status, je Sektion eine Totalzeile und am Fuss budgetiertes gegen tatsächliches Ergebnis.
Ein Gestaltungsentscheid darin verdient eine Erwähnung, weil er im Alltag Missverständnisse verhindert: Der Bericht kennt keine Vorzeichen. Ein “+200” bedeutet beim Aufwand, dass man zweihundert Franken zu viel ausgegeben hat, und beim Ertrag, dass man zweihundert Franken mehr eingenommen hat — dieselbe Zahl, die gegenteilige Aussage. Deshalb steht der Restbetrag vorzeichenlos da, und das Richtungswort steht daneben.
Wer schon einmal in einer Vorstandssitzung erklärt hat, warum ein Minus eigentlich gut ist, weiss, warum das eine Verbesserung ist.
Für Vereine: der Kassier darf budgetieren
Bei einem Verein ist die Budgetierung selten Chefsache — sie ist Kassiersache. Genau darauf ist das Rechtemodell abgestimmt.
Der Zugriff hängt nicht am Buchhaltungsmodul, sondern am Modul Transaktionen. Der Unterschied ist praktisch entscheidend: Hinge es am Buchhaltungsmodul, dürften in einem Team- oder Vereinsmandanten nur Besitzer und Administratoren budgetieren — also genau die Rollen, die ein Kassier üblicherweise nicht hat. So genügt Leserecht auf Transaktionen zum Ansehen und Schreibrecht zum Erfassen.
Verfügbar ist die Budgetplanung in den Plänen Team, Scale, Office und Flow. Für Vereine ist sie ein zubuchbarer Baustein. Im Solo-Plan fehlt sie bewusst: Ein Einzelunternehmen ohne eigene Buchhaltung plant nicht auf Kontoebene.
Was Saldio bewusst nicht tut
Der Funktionsumfang ist eine Entscheidung, keine Baustelle. Was fehlt, gehört genannt:
- Keine Kostenstellen. Budgetiert wird auf Kontoebene, nicht auf Abteilungen oder Standorte.
- Keine Monats- oder Quartalsbudgets. Ein Jahresbetrag je Konto. Eine Verteilung über zwölf Monate wäre bei den meisten Kostenarten ohnehin geraten.
- Kein Budget pro Projekt oder Kunde. Die Projektampel ist eine eigene Funktion und vergleicht die aufgelaufenen Kosten gegen den Offertwert — eine Nachkalkulation, keine Jahresplanung.
- Keine Szenarien und keine Versionen. Ein Budget pro Geschäftsjahr, kein Vergleich Plan A gegen Plan B.
- Kein Genehmigungs-Workflow. Kein Entwurfsstatus, keine Freigabe. Der einzige Status, der zählt, ist eingehalten oder überzogen.
- Keine Hochrechnung. Saldio zeigt Plan und Ist, aber schreibt den Trend nicht aufs Jahresende fort.
- Keine Übernahme aus dem Vorjahr. Neues Jahr, neue Beträge.
- Keine E-Mail-Warnung bei Überschreitung. Die Warnung ist rein visuell: Ampel, Balken, KPI-Kachel.
Fazit
Ein Budget scheitert selten am Planen. Es scheitert am Nachhalten — daran, dass jemand regelmässig Zahlen aus einem System in ein anderes tragen müsste und es nach dem zweiten Mal bleiben lässt.
Saldio streicht diesen Schritt. Der Plan ist eine kurze Liste von Jahresbeträgen, das Ist kommt aus dem Hauptbuch, und der Vergleich steht in dem Moment da, in dem man ihn ansieht. Was dafür fehlt — Kostenstellen, Monatswerte, Szenarien — fehlt, damit die Funktion in zwanzig Minuten benutzbar ist statt in einem Projekt.
Der Rest ist zweimal im Jahr hineinschauen.
Vom Auftrag bis zum Saldo.
