Anlagevermoegen sauber uebernehmen: Abschreibungen, Altbestand und Anlagenverzeichnis
Die halb abgeschriebene Maschine ist der Stolperstein jeder Buchhaltungs-Migration. Wie Anlagegueter, Altbestand und Abschreibungen in Saldio korrekt ankommen.

Inhalt
Eine nicht zugeordnete Zahlung fällt sofort auf. Ein falscher Mehrwertsteuer-Code spätestens bei der Abrechnung.
Eine vergessene Abschreibung fällt erst beim Jahresabschluss auf — und dann rückwirkend über drei Jahre.
Das Anlagevermögen ist der Teil der Buchhaltung, der am stillsten kaputt geht. Es gibt keinen täglichen Kontakt damit, keinen Beleg, der im Posteingang liegt und daran erinnert. Es gibt nur eine Maschine in der Werkstatt, die seit vier Jahren mit dem gleichen Wert in der Bilanz steht, weil nie jemand den Anlagenspiegel nachgeführt hat.
Dieser Artikel zeigt, wie Anlagegüter in Saldio geführt werden — und vor allem, wie bestehende, teilweise abgeschriebene Anlagen beim Umstieg korrekt ankommen. Denn genau dort scheitern die meisten Migrationen.
Warum Anlagen ein eigenes Nebenbuch brauchen
Nach OR 960a sind Aktiven bei der Ersterfassung zum Anschaffungswert zu bewerten und in der Folge um die nutzungs- und altersbedingten Wertverluste zu korrigieren. Für ein Anlagegut heisst das: Anschaffungswert, Nutzungsdauer, kumulierte Abschreibung, Buchwert — pro Gegenstand, nicht als Sammelposten.
Das Hauptbuch kann das nicht leisten. Auf dem Konto 1500 stehen am Ende des Jahres CHF 84’000 — aber nicht, ob das eine Maschine ist oder sieben, welche davon 2021 gekauft wurde und welche im nächsten Jahr vollständig abgeschrieben ist.
Genau dafür gibt es das Anlagen-Nebenbuch. Es hält die Bewertungsparameter je Anlagegut, berechnet daraus den Abschreibungsplan und liefert das Anlagenverzeichnis — den Nachweis, den Revisionsstelle und Steueramt sehen wollen.
In Saldio ist dieses Nebenbuch bewusst schmal gebaut: Es speichert nur die Parameter. Jede wertrelevante Bewegung — Zugang, Abschreibung, Abgang — ist eine echte Journalbuchung im Hauptbuch. Buchwert, Status und kumulierte Abschreibung werden daraus abgeleitet und nie separat gespeichert. Das klingt nach einem Detail, hat aber eine praktische Konsequenz: Ein Storno im Journal korrigiert die Anlagenbuchhaltung automatisch mit. Es gibt keinen Zustand, in dem Nebenbuch und Hauptbuch auseinanderlaufen können.
Der Umzug: die halb abgeschriebene Maschine
Hier liegt der eigentliche Stolperstein.
Wer heute auf eine neue Buchhaltungssoftware wechselt, hat selten einen leeren Anlagenspiegel. Da steht eine CNC-Fräse von 2024, ein Lieferwagen von 2022, drei Notebooks vom letzten Jahr. Alle teilweise abgeschrieben, alle mit einem Restbuchwert, alle mit einer Restlaufzeit.
Der naheliegende — und falsche — Reflex ist, den heutigen Buchwert als Anschaffungswert zu erfassen. Das funktioniert genau ein Jahr lang und zerstört danach die gesamte Abschreibungslogik: Die Restlaufzeit stimmt nicht, der lineare Satz stimmt nicht, und im Anlagenverzeichnis fehlt die Anschaffungsgeschichte, die das Steueramt sehen will.
Der richtige Weg
In Saldio erfasst man das Anlagegut mit seinen historischen Werten:
- Anschaffungsdatum — das echte Kaufdatum, nicht das Datum des Systemwechsels
- Anschaffungskosten — die echten historischen Kosten, netto ohne abziehbare Vorsteuer
- Bereits abgeschrieben (CHF) — die kumulierte Abschreibung aus den Vorjahren, direkt aus dem letzten Abschluss
- Methode und Nutzungsdauer — unverändert wie bisher geführt
Was Saldio daraus selbst ableitet, ist die entscheidende Vereinfachung: Es braucht kein Feld für “bereits verbrauchte Monate” und kein separates Startdatum. Das System rechnet die Lücke zwischen Anschaffungsdatum und dem ersten in Saldio geführten Geschäftsjahr aus und behandelt diese Monate als verbraucht.
Ein Beispiel
Eine Maschine für CHF 10’000, gekauft am 1. April 2024, linear über 5 Jahre, kein Restwert. Bis Ende 2025 wurden CHF 3’500 abgeschrieben. Saldio wird per Geschäftsjahr 2026 eingeführt.
Erfasst wird: Anschaffung 01.04.2024, Kosten 10’000, bereits abgeschrieben 3’500, linear, 5 Jahre.
Saldio erkennt: 21 Monate (April 2024 bis Dezember 2025) sind verbraucht, der Startbuchwert beträgt CHF 6’500, es bleiben 39 Nutzungsmonate. Daraus entsteht dieser Plan:
| Geschäftsjahr | Monate | Abschreibung | Buchwert Anfang | Buchwert Ende | Art |
|---|---|---|---|---|---|
| 2026 | 12 | 2’000.00 | 6’500.00 | 4’500.00 | Jahresabschreibung |
| 2027 | 12 | 2’000.00 | 4’500.00 | 2’500.00 | Jahresabschreibung |
| 2028 | 12 | 2’000.00 | 2’500.00 | 500.00 | Jahresabschreibung |
| 2029 | 3 | 500.00 | 500.00 | 0.00 | Abschlussbuchung |
Der Plan schliesst exakt dort an, wo der alte Anlagenspiegel aufgehört hat — und läuft mit einer Abschlussbuchung über drei Monate sauber auf null aus. Keine Rundungsdrift, kein verlorenes Jahr.

Methoden und die ESTV-Sätze
Saldio kennt drei Abschreibungsmethoden:
Linear — gleichbleibender Betrag über die Nutzungsdauer: (Anschaffungskosten − Restwert) ÷ Nutzungsdauer. Der Satz ergibt sich aus 100 ÷ Nutzungsdauer und wird nicht separat erfasst.
Degressiv — ein Prozentsatz vom jeweiligen Buchwert. Die Beträge werden von Jahr zu Jahr kleiner. Nach Ablauf der Nutzungsdauer wird der verbleibende Buchwert mit einer Abschlussbuchung auf den Restwert ausgebucht, damit die Reihe nicht endlos gegen null läuft.
Sofortabschreibung — 100 % im Anschaffungsjahr, ohne Pro-rata. Für geringwertige Güter; als Richtwert gilt in der Praxis die Grenze von CHF 1’000. Saldio weist bei Anschaffungskosten unter CHF 1’000 aktiv darauf hin, dass dieser Weg zulässig und einfacher ist.
Die Kategorie eines Anlageguts bestimmt die Vorbelegung — Konten, Nutzungsdauer und die Maximalsätze aus dem ESTV-Merkblatt A 1995:
| Kategorie | Anlagekonto | Aufwandskonto | max. linear | max. degressiv | Nutzungsdauer |
|---|---|---|---|---|---|
| Maschinen und Anlagen | 1500 | 6820 | 12.5 % | 25 % | 8 Jahre |
| Mobiliar und Einrichtungen | 1510 | 6821 | 12.5 % | 25 % | 8 Jahre |
| EDV-Anlagen | 1520 | 6822 | 20 % | 40 % | 5 Jahre |
| Fahrzeuge | 1530 | 6823 | 20 % | 40 % | 5 Jahre |
| Immobilien | 1600 | 6830 | 2 % | 4 % | 50 Jahre |
| Immaterielle Anlagen | frei | frei | 20 % | 40 % | 5 Jahre |
Diese Sätze sind eine Warnung, keine Sperre. Wer höher abschreiben will, kann das — Saldio weist darauf hin, dass der Mehrbetrag steuerlich als stille Reserve gilt und aufgerechnet wird, und bucht dann trotzdem. Die kantonale Praxis weicht ohnehin ab, und die Verantwortung dafür liegt beim Unternehmen, nicht bei der Software.
Pro rata wird monatsgenau gerechnet. Anschaffungs- und Abgangsmonat zählen dabei voll. Eine Maschine, die am 15. September gekauft wird, schreibt im Anschaffungsjahr vier Monate ab. Rumpfgeschäftsjahre — etwa ein erstes Geschäftsjahr vom 1. Juli bis 31. Dezember — werden nach derselben Logik anteilig behandelt.
Der Abschreibungslauf
Abschreibungen laufen in Saldio nicht im Hintergrund. Es gibt keinen nächtlichen Job, der stillschweigend bucht. Der Abschreibungslauf wird pro Geschäftsjahr bewusst ausgelöst.
Im Dialog wählt man das Geschäftsjahr, sieht für jede Anlage den fälligen Betrag samt Buchwert vorher und nachher, hakt an, was gebucht werden soll — und bucht.
Der Buchungssatz ist immer derselbe:
| Soll | Haben | |
|---|---|---|
| Abschreibung | Abschreibungsaufwand (68xx) | Anlagekonto (15xx / 16xx) |
Das ist die direkte Abschreibung: Das Anlagekonto wird unmittelbar vermindert. Wertberichtigungskonten (15x9) führt Saldio bewusst nicht — für Schweizer KMU ist die direkte Methode die verbreitete und für die Steuerbilanz ausreichende.
Buchungsdatum ist immer das Ende des Geschäftsjahrs, unabhängig davon, wann der Lauf ausgeführt wird. Wer die Abschreibungen für 2026 im März 2027 bucht, bekommt sie trotzdem per 31.12.2026 ins Journal.
Drei Eigenschaften machen den Lauf im Alltag robust:
Genau eine Buchung pro Anlage und Geschäftsjahr. Das ist nicht nur eine Prüfung in der Anwendung, sondern auf Datenbankebene garantiert. Ein zweiter Klick auf “Buchen” kann keine Doppelbuchung erzeugen — auch nicht bei zwei gleichzeitig offenen Browserfenstern.
Übersprungene Jahre werden nachgeholt. Wurde ein bereits abgeschlossenes Geschäftsjahr vergessen, faltet Saldio es in den nächsten Lauf ein — mit einer eigenen Verlaufszeile für jedes Zieljahr, damit das Anlagenverzeichnis der Vorjahre stimmt.
Ein offenes Vorjahr blockiert. Steht ein früheres Geschäftsjahr noch offen und ist dort nicht abgeschrieben, verweigert Saldio den Lauf für das spätere Jahr. Das ist Absicht: Sonst landete der Aufwand des Vorjahrs im laufenden Jahr und wäre für die Vorjahresrechnung unwiederbringlich verloren.
Was der Rechner in der Vorschau zeigt, ist exakt das, was gebucht wird. Vorschau und Buchung nutzen dieselbe Berechnung — es gibt keine zweite Rechenstelle, die abweichen könnte.

Abgang: Verkauf oder Verschrottung
Irgendwann geht ein Anlagegut wieder. Verkauft, eingetauscht oder verschrottet — buchhalterisch ist das derselbe Vorgang mit unterschiedlichem Erlös.
Saldio bucht den Abgang in zwei Schritten. Zuerst wird bis zum Abgangsmonat pro rata abgeschrieben, damit der Restbuchwert im Abgangszeitpunkt stimmt. Danach folgt die Abgangsbuchung nach der Bruttomethode:
| Soll | Haben | |
|---|---|---|
| Erlös | Bank / Kasse / Debitor | Ertragskonto 8510 |
| Mehrwertsteuer | 2200 | |
| Restbuchwert | Aufwandskonto 8500 | Anlagekonto |
Der Buchgewinn oder -verlust wird nicht als eigene Zeile gebucht, sondern ergibt sich als Saldo aus Erlös minus Restbuchwert. Die Vorschau im Dialog rechnet ihn vor dem Buchen aus und zeigt ihn grün oder rot an.
Zwei Fälle aus der Praxis:
Verschrottung ist ein Abgang mit Erlös 0. Ist die Anlage bereits vollständig abgeschrieben, entsteht dabei gar keine Journalbuchung — es ist nichts mehr auszubuchen. Die Anlage wird nur als ausgebucht markiert.
Verkauf über eine Rechnung. Wurde der Verkauf bereits als Ausgangsrechnung erfasst, würde die Abgangsbuchung den Erlös ein zweites Mal einstellen. Dafür gibt es im Dialog den Schalter “Erlös bereits verbucht” — dann wird nur der Restbuchwert ausgebucht.
Wie der Abschreibungslauf verlangt auch der Abgang, dass frühere Geschäftsjahre abgeschrieben sind. Sonst wanderte deren Aufwand als Abgangsverlust ins Abgangsjahr.
Das Anlagenverzeichnis
Am Ende des Jahres braucht es einen Nachweis. In Saldio heisst er Anlagenverzeichnis und ist nach Kategorie gruppiert — Maschinen, Fahrzeuge, EDV, Mobiliar, Immobilien, immaterielle Anlagen — mit Zwischentotal je Gruppe und einem Gesamttotal am Fuss.
Pro Anlage stehen dort die klassischen Spalten: Anschaffungskosten, Zugänge, Abgänge, Abschreibung des Geschäftsjahrs, kumulierte Abschreibung, Buchwert am Anfang und am Ende der Periode.
Ein Detail, das bei der Übernahme wichtig ist: Der Altbestand fliesst korrekt in die kumulierte Abschreibung und damit in den Anfangsbuchwert ein. Das Anlagenverzeichnis des ersten Saldio-Geschäftsjahrs lässt sich also direkt gegen den letzten Anlagenspiegel des Altsystems abgleichen — Buchwert Anfang muss dort auf den Franken übereinstimmen.
Kumuliert wird dabei nach dem Geschäftsjahr der Verlaufszeile, nicht nach Buchungsdatum. Eine im März 2027 nachgeholte Abschreibung für 2026 erscheint im Anlagenverzeichnis 2026, wo sie wirtschaftlich hingehört.
Exportiert wird als CSV; für den Ordner der Revisionsstelle gibt es eine eigene Druckansicht mit Firmenname, Geschäftsjahr und Datumsbereich im Kopf.

Was Saldio bewusst nicht tut
Vollständigkeit ist kein Selbstzweck. Ein paar Dinge fehlen absichtlich, und es ist fairer, sie zu nennen:
- Keine Wertberichtigungskonten. Nur die direkte Abschreibung, das Anlagekonto wird unmittelbar vermindert.
- Kein Massenimport. Altbestand wird Anlage für Anlage erfasst. Bei zwölf Anlagegütern ist das eine Stunde Arbeit, bei zweihundert wäre es ein Thema — dann bitte melden.
- Jährlicher Lauf, nicht monatlich. Für die Schweizer KMU-Praxis ist der Jahresabschluss der relevante Takt. Monatliche Abgrenzungen sind nicht vorgesehen.
- Kein PDF-Export. CSV und Druckansicht — beides reicht für Revision und Ablage, ein eigener PDF-Renderer wäre Aufwand ohne Mehrwert.
- Keine Zuschreibungen, keine Teilabgänge, keine nachträglichen Anschaffungskosten. Wer eine Maschine erweitert, erfasst die Erweiterung als eigenes Anlagegut.
Fazit
Anlagenbuchhaltung ist keine tägliche Arbeit. Sie ist ein Setup, das einmal richtig gemacht wird, und danach ein Klick pro Geschäftsjahr.
Der Aufwand liegt vollständig in der Übernahme — und dort liegt auch das Risiko. Wer den heutigen Buchwert als Anschaffungswert einträgt, hat ein Jahr lang keinen Fehler und danach einen, den niemand mehr findet. Wer die historischen Werte plus die kumulierte Abschreibung erfasst, hat einen Plan, der lückenlos dort anschliesst, wo der alte Anlagenspiegel aufgehört hat.
Der Rest — Pro-rata-Berechnung, Buchungssätze, Nachholen vergessener Jahre, Anlagenverzeichnis — passiert dann von selbst.
Vom Auftrag bis zum Saldo.
